Rennbericht Ironman Barcelona
Mittwoch, den 12. Oktober 2016 um 08:21 Uhr

Rennbericht Ironman Barcelona

Triathlon-Weltmeisterschaften auf Hawaii-ein Traum geht in Erfüllung

Stefan Hütter, Inhaber des Fahrradfachgeschäftes Bikebase Schliersee, träumt seit fast schon 20 Jahren den selben Traum: Einmal bei den Langstrecken-Triathlon-Weltmeisterschaften (3,8km Schwimmen, 180km Radfahren, 42,1km laufen) auf Hawaii zu starten! Und so machte er sich nach jahrelangem Ausdauertraining auf den Weg, seinen Traum endlich wahr werden zu lassen...

Die dafür nötige Qualifikation sollte Anfang Oktober beim Ironman Barcelona stattfinden-hierfür wäre Platz 1 bis 3 seiner mit 260 Teilnehmern stark besetzten Alterklasse erforderlich. Um Fehler zu vermeiden, nahm sich Stefan im Dezember 2015 einen Trainer an die Seite: Rainer Schwab, Sporthochschule Köln. Eine umfangreiche Leistungsdiagnostik im Medius Schliersee lieferte die nötigen Erkenntnisse und Grundlagen zur Erstellung des Trainingsplans. Konsequent, zielstrebig, diszipliniert und hoch motiviert ging der vollberufstätige Amateursportler ans Werk: tägliches intensives Training bestimmten seinen Alltag-die Ausdauer trainierte er hauptsächlich durch zum Teil lange Radeinheiten (Rennrad, Zeitfahrrad und Ergometer), zweimal radelte er sogar von Schliersee bis zum Gardasee (360km) in einem Tag. Einziger Wehrmutstropfen: ein Fersensporn am linken Fuß machte das Lauftraining unmöglich! Stattdessen standen unzählige einbeinige Kniebeugen und Seilzugübungen im Kraftraum auf dem Programm. Abgerundet wurde das Training mit täglichen Dehnungsübungen, physiotherapeutischer Betreuung und einem medizinischen Check. Nach einem Trainingslager auf Mallorca im Frühjahr absolvierte Stefan die ersten Triathlons: Schliersee, Neuhaus und Ebbs mit besten Ergebnissen. Diese ersten Laufeinheiten im Trainingsjahr zogen aber leider immer Schmerzen nach sich. Nach siebenmonatiger multimodaler Behandlung war die Ferse teilweise belastbar und es konnte endlich mit dosiertem Lauftraining begonnen werden. Anfang September dann das große Wunder- wie übernacht erhielt er seine Ferse zurück! Sie war nun wieder voll belastbar, schmerzfrei und Stefan überglücklich. Vorsichtig erhöhte er die Laufumfänge, absolvierte in Schliersee 2 Mitteldistanztriathlons als Leistungstests und begab sich auf die Zielgeraden der Vorbereitung auf den großen Tag in Barcelona... Die Hausaufgaben waren gemacht-Stefan war sich sicher, die angestrebte Qualifikationszeit um 9:30 Stunden erreichen zu können. Die Ortskenntnisse des letzten Jahres beim IRONMAN Barcelona im Gepäck und perfekt vorbereitet, ging er das "Unternehmen Hawaii" zuversichtlich an. Im Kreise seiner Freunde aus der Heimat Tobi Berauer, Simon Schachenmeier, Dirk Buss und Andi Pretsch, die mit ihm an den Start gingen, stellte er sich der Herausforderung am 02.10.2016 einen Tag nach seinem 50. Geburtstag. Bei besten Bedingungen mit 20 Grad Lufttemperatur, leicht bewölkt und wenig Wind stürzten sich die 5 Freunde zusammen mit 2800 anderen Athleten im Sonnenaufgang bei sanftem Seegang ins Mittelmeer. Nach 1:02 Stunde lief Stefan nach 3,8km Schwimmen als 22. seiner Altersklasse in die Wechselzone ein. Ein schneller Wechsel und ab aufs Rad! Jetzt hieß es, sich in der Paradedisziplin eine gute Endzeit zu sichern. Um erstmal in Fahrt zu kommen, hielt er sich zunächst an die geplanten 240 Watt und merkte dabei sofort, dass das nochmals optimierte Rad extrem schnell war und sehr gut lief. Somit konnte er viel weniger Watt drücken als vorgesehen, um auf der 180km langen Radstrecke die angestrebte Durchschnittsgeschwindigkeit von 38km/h zu halten. Kontrolliert und mit Kraftreserven für den bevorstehenden Marathon ausgestattet, erreichte er in 4:46 Stunden zum zweiten Mal die Wechselzone. Nach einem durchdachten etwas längerem Wechsel ging es planmäßig nach exakt 6 Stunden Gesamtzeit zur dritten und letzten Disziplin-dem Laufen. Nach 2 km erwarteten ihn die Betreuer an der Strecke, Katja rief ihm zu: "Du bist 1. in deiner Altersklasse! Lauf für deinen Traum!" Daraufhin überkam ihn ein sentimentaler Moment, sollte er es wirklich schaffen? Stefan sagte einmal mehr zu sich selbst:"Geh an deine Grenzen, du kannst dir das schönste Geburtstagsgeschenk machen!" Gesagt, getan: hoch konzentriert ging es weiter, dauernd an die Worte des Trainers denkend, Körperspannung zu halten, aufrecht zu laufen, alle 4 km ein Gel zu essen und die eigene Trinkflaschen in der Hand zu tragen, um genügend zu trinken. Die ständigen Begegnungen mit seinen Mitstreitern und Betreuern halfen ihm, an sich zu glauben. Auch auf die letzte der 3 Runden ging Stefan immer noch als Führender seiner Altersklasse. Die Information, dass die Konkurrenten bis auf einen, nicht aufholten, beruhigte ihn. Aber leider musste er dann ein Dixiklo aufsuchen und auch der ein oder andere kleinere Muskelkrampf im linken Oberschenkel zwangen ihn zu einer Verringerung seiner Geschwindigkeit. Stefan wurde klar, dass damit der Altersklassensieg verloren war, aber seinen Traum, die WM-Qualifikation zu schaffen und tatsächlich einmal in Hawaii starten zu dürfen, wollte er sich auf den letzten 6km nicht mehr nehmen lassen! Kurz darauf überholte ihn Simon und feuerte ihn nochmal an, Stefan konnte aber bei Simons langen Schritten nicht ganz dran bleiben. Dann endlich Kilometer 42! Jetzt noch die Rampe runter und auf die Zielgerade! Nach 9:37 Std lief Stefan Hütter über die Ziellinie- überglücklich rollten ihm ein paar Tränen über die Wangen, aber welche Platzierung hatte er belegt? Würde es zur Qualifikation für Hawaii reichen??? Simon, der bereits seit 3 min im Ziel war, reichte Stefan ein Bier und beide waren glücklich, einen tollen Wettkampf absolviert zu haben. Simon ging dann erst einmal duschen und danach zur Massage, Stefan aber wollte zu den Mädels gehen, um zu erfahren, wie es ausgegangen ist, da im Ziel keine Angaben zur Platzierung gemacht wurden. Somit machte er sich auf die Suche. Endlich fand er die Betreuer, seine Freundin fiel ihm um den Hals und sagte: "Du bist.........2er.!!!!" Stefans Freudenschrei hörte man sicher bis Hawaii, er war überglücklich. Sein Traum ist in Erfüllung gegangen.

"Hawaii 14.10.2017 ich komme!"

"Danke an all meine Medizinmänner, meine gute Fee Sabine, die mich jede Woche massierte, meinen Trainer Rainer Schwab und an alle, die an mich geglaubt haben, DANKE!"